Was gute Selbstführung ausmacht | Anregungen - Die Expertin für Selbstführung
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Was gute Selbstführung ausmacht | Anregungen

Handeln Sie schon agil, gelassen und souverän?


Der viel zitier­te Satz „Nur wer sich selbst gut füh­ren kann, kann auch ande­re füh­ren“ gewinnt in der heu­ti­gen kom­ple­xen Geschäfts­welt immer mehr an Bedeu­tung. Vor allem Füh­rungs­kräf­ten wird nahe­ge­legt, sich ver­stärkt mit ihrem Innen­le­ben zu beschäf­ti­gen, um ande­re sou­ve­rän füh­ren zu kön­nen. Es geht nicht mehr um Füh­rungs­tech­ni­ken, Zeit­ma­nage­ment oder Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on. Es geht dar­um, das eige­ne Inne­re zu sta­bi­li­sie­ren und zu steu­ern.

Doch auch für jeden ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter ist es immens wich­tig, sich selbst und sei­ne Ent­schei­dungs- und Hand­lungs­wei­sen bes­ser zu ver­ste­hen und die Emo­tio­nen zu regu­lie­ren. Für Mit­ar­bei­ter und Füh­rungs­kräf­te gilt glei­cher­ma­ßen, den eige­nen See­len-haus­halt sen­si­bel zu mana­gen. Gute Selbst­füh­rung bedeu­tet unterm Strich: Sou­ve­rä­nes Han­deln und Auf­tre­ten aus einer reflek­tier­ten Hal­tung her­aus!


Gefühle, Psyche – alles unnötiger Kram in der Geschäftswelt

Dass dies gelingt, ist es uner­läss­lich, sich mit sich selbst, der eige­nen Gefühls­welt und den – oft unbe­wusst ablau­fen­den – Hand­lungs­me­cha­nis­men aus­ein­an­der-zuset­zen. Doch oh weh, Sie ahnen es schon – das geht alles nicht, ohne sich mit der eige­nen Psy­che zu beschäf­ti­gen. Und da fängt die Ableh­nung bei vie­len schon an! Gefüh­le, Psy­cho­lo­gie, mich mit mir aus­ein­an­der­set­zen – das hat doch im Geschäfts­le­ben nichts zu suchen. Weit gefehlt!

Denn wir sind alle Men­schen, geprägt von unse­rer Ver­gan­gen­heit, von unse­rer Erzie­hung und Kul­tur, von den Erfah­run­gen, die wir gesam­melt haben und und und. Und oft­mals han­deln wir aus alten Ver­let­zun­gen her­aus, ohne dass wir das bewusst wahr­neh­men. Schon allein, wenn man so man­ches Kon­flikt­ge­spräch zwi­schen Kol­le­gen oder auch zwi­schen Mit­ar­bei­ter und Füh­rungs­kraft ana­ly­siert, wird man fest­stel­len, dass sich da zwei ver­letz­te Kin­der strei­ten.

Vier unerlässliche Bereiche auf dem Weg zu guter Selbstführung

© Elke Gro­e­ger 2019

1. Fähig­keit zu Selbst­wahr­neh­mung und Selbst­re­fle­xi­on ent­wi­ckeln

Wer sich auf das Aben­teu­er ein­lässt, für den steht zu Beginn die Auf­ga­be an, die Fähig­keit zu Selbst­wahr­neh­mung und Selbst­re­fle­xi­on zu ent­wi­ckeln. Das heißt, sich mit sich selbst aus­ein­an­der­zu­set­zen und mit sich selbst Kon­takt auf­zu­neh­men. War­um hand­le ich in die­ser Situa­ti­on so? War­um ticke ich jedes Mal aus, wenn mir mein Mit­ar­bei­ter oder Kol­le­ge das und das sagt bzw. so reagiert? Hier­zu muss ich wis­sen, was mich „trig­gert“ und woher das kommt. Meist lie­gen die Wur­zeln für sol­che Mecha­nis­men in der Kind­heit. Wir wur­den gerügt, bestraft oder wir durf­ten unse­re Bedürf­nis­se nicht aus­le­ben. Die Fol­ge? Wir haben so man­che Bewäl­ti­gungs­stra­te­gie ent­wi­ckelt, um damit klar zu kom­men. Oft­mals führ­te das dazu, dass wir schmerz­haf­te Gefüh­le abge­spal­ten bzw. ver­drängt haben. Die­se Stra­te­gien funk­tio­nie­ren viel­leicht eine Zeit lang, sind aber wie ein Minen­feld, weil die ursprüng­li­che Ver­let­zung noch besteht und bei jeder nächs­ten Gele­gen­heit wie­der hoch­pop­pen kann. Und dann wird in vie­len Fäl­len blind geschos­sen. Für eine Füh­rungs­kraft, die nicht mit sich selbst ver­bun­den ist, ist es zudem schwer, einen wirk­li­chen zwi­schen­mensch­li­chen Kon­takt zu den Mit­ar­bei­tern auf­zu­bau­en.

In die­sem Minen­feld ist auch das The­ma Glau­bens­sät­ze ange­sie­delt. Wenn mich mein Leben lang bei­spiels­wei­se der dys­funk­tio­na­le Glau­bens­satz „Ich bin nur etwas wert, wenn ich viel leis­te“ geprägt hat – dann „Grüß Gott, lie­ber Antrei­ber“. Nicht weni­ge ras­seln mit einem mons­trö­sen inne­ren Antrei­ber in den Bur­nout. In die­sem Zusam­men­hang ist es eine gro­ße Erleich­te­rung, wenn man sein inne­res Team kennt, denn wir sind vie­le: Da gibt es den schon erwähn­ten inne­ren Antrei­ber, den Sabo­teur, den Rich­ter, den Kri­ti­ker, das ver­letz­te inne­re Kind, aber – um es auch mal etwas net­ter zu for­mu­lie­ren – auch den inne­ren Son­nen­schein, die inne­re Kraft­quel­le – und wie sie alle hei­ßen und sich zei­gen. Man muss aber wis­sen, wer sich da tag­täg­lich so tum­melt. Denn die inne­ren Kol­le­gen oder Antei­le sind nicht jeden Tag gleich prä­sent und aktiv.

2. Eige­ne Hand­lungs­me­cha­nis­men ken­nen und steu­ern

Hier setzt der zwei­te Bereich auf dem Weg zu guter Selbst­füh­rung an. Wenn ich dann mal eru­iert habe, wer in mei­nem Innen­le­ben – oft­mals unbe­wusst – am Ruder ist und wel­che Hand­lungs­me­cha­nis­men dar­aus ent­ste­hen, dann kann ich bewusst begin­nen, zu reflek­tie­ren, mei­ne inne­re Hal­tung zu ver­än­dern und dar­aus posi­ti­ve Hand­lungs­stra­te­gien abzu­lei­ten.

Das bedeu­tet, erst mal inne zu hal­ten, sich bewusst machen, was mir da gera­de so gegen den Strich geht, wel­ches mei­ner Bedürf­nis­se gera­de ver­letzt wur­de, wel­che mei­ner Erwar­tun­gen nicht erfüllt wur­de, wel­che Wor­te das aus­ge­löst haben und ob ich sol­che Erfah­run­gen schon von frü­her her ken­ne. Gera­de Füh­rungs­kräf­te ver­su­chen meist, einem äuße­ren Bild von Stär­ke und Unver­wund­bar­keit gerecht zu wer­den. Das kos­tet aber auf Dau­er unend­lich viel Kraft und Ener­gie. Sich die eige­nen Hand­lungs­me­cha­nis­men klar zu machen und zu steu­ern, geht  nicht ohne Bereich Nr. 3.

3. Bewuss­tes Kana­li­sie­ren von Emo­tio­nen

Uuuuh – hier wird es gefähr­lich. Füh­len! Das brau­che ich doch nicht – schon gar nicht, wenn es um mei­nen Chef, mei­ne Mit­ar­bei­ter oder mei­ne Kol­le­gen geht! Und über­haupt – es könn­te ja ein alter Schmerz hoch­kom­men, weh­tun, ich könn­te die Kon­trol­le ver­lie­ren. Lie­be Lese­rin­nen und Leser, am Wahr­neh­men von Emo­tio­nen führt aber kein Weg vor­bei. Ich möch­te damit das Füh­len ent­ta­bui­sie­ren. Freu­de und Glück­lich­sein wol­len wir zulas­sen, aber kei­ne Wut, Angst und Trau­er! Letz­te­re wer­den ja auch ger­ne als nega­ti­ve Gefüh­le bezeich­net. War­um aber, wur­den uns über­haupt Gefüh­le in die Wie­ge gelegt?

Unterdrückte Gefühle sind ein Gesundheitsrisiko

Gefüh­le sind unser Warn­sys­tem, so wie uns bei­spiels­wei­se Angst vor Bedro­hung oder Feh­lern schüt­zen will. Ich will eine Lan­ze bre­chen für die „nega­ti­ven“ Gefüh­le. Die­se Bezeich­nung haben sie nun wirk­lich nicht ver­dient, weil sie so wert­voll sind. Sie wei­sen uns immer drauf hin, dass etwas nicht stimmt. Der Weg also: Sich zu fra­gen, was macht mich jetzt so wütend oder trau­rig? Wovor habe ich Angst? Es ist auch erwie­sen: Wer Gefüh­le nicht weg­drängt und ver­leug­net, der wird nicht depres­siv und auch nicht krank. Denn ver­dräng­te Gefüh­le sind schlau, denn sie wol­len nun mal nicht zur Sei­te gescho­ben wer­den. Sie kom­men dann ger­ne durch die Hin­ter­tür in Form von ande­ren Sym­pto­men wie Kopf­schmer­zen, Ver­span­nun­gen, Haut­aus­schlä­gen, Blut­hoch­druck, schlech­ter Lau­ne … um nur eini­ge zu nen­nen. Sie klop­fen so lan­ge an, bis sie wahr­ge­nom­men wer­den. Stellt sich der Gefühls­be­sit­zer wei­ter­hin stur, wird unser Kör­per sau­er, weil sei­ne Warn­si­gna­le igno­riert wer­den. Dann lässt er sich noch mehr ein­fal­len, indem die Sym­pto­me immer hef­ti­ger wer­den. Unter­drück­te oder auch soge­nann­te Fro­zen Fee­lings sind damit auch eine gesund­heit­li­che Zeit­bom­be. Gefüh­le zuzu­las­sen heißt, unser Kör­per bekommt ein Ven­til. So wie bei Trau­er in der Regel auto­ma­tisch die Trä­nen kom­men. Gene­rell ist Füh­len kein Zei­chen von  Schwä­che – das möch­te ich hier in aller Deut­lich­keit beto­nen! Füh­len ist zutiefst mensch­lich! Wird aber lei­der in Leis­tungs­ge­sell­schaf­ten oft­mals noch eher als Inkom­pe­tenz oder als etwas für Weich­ei­er ange­se­hen ….

Freie Fahrt für die Gefühle?

Soll das jetzt hei­ßen, dass ich dann mei­nen Kol­le­gen unge­fil­tert anschrei­en soll, wenn er mich nervt? Ein kla­res NEIN! Denn hier geht es zunächst dar­um, zu erken­nen, was dahin­ter­liegt, mei­ne wun­den Stel­len zu ken­nen, mir mei­ne Ver­letz­lich­keit ein­zu­ge­ste­hen und mir mei­ner Gefüh­le und Reak­tio­nen bewusst zu wer­den. Denn oft­mals bezieht sich die Wut gera­de gar nicht auf den Kol­le­gen, son­dern es steckt eine alte Ver­let­zung oder ein nicht erfüll­tes Bedürf­nis dahin­ter.

Wenn ich das erkannt habe, kann ich dem Kol­le­gen in einem ruhi­gen, ich nen­ne es erwach­se­nen, Ton mit­tei­len, wor­um es mir geht und um was ich ihn bit­te. Das heißt, dass ich die Ver­ant­wor­tung für mei­ne Gefüh­le und Hand­lungs­wei­sen über­neh­me. Dann gehe ich nicht mehr in die Opfer­po­si­ti­on, in der ich sagen kann, Kol­le­ge X oder Chef Y ist unge­recht und blöd. Das nennt sich dann Selbst­re­gu­la­ti­on. Das Opti­mum ist natür­lich, wenn bei­de Sei­ten in guter Selbst­füh­rung geschult sind, sich wie Erwach­se­ne beneh­men und sich ent­spre­chend bewusst und reflek­tiert ver­hal­ten.

4. Wert­schät­zen­der Umgang mit sich selbst und ande­ren

Wenn ich nun erkannt habe, wie mein Innen­le­ben wirkt und sich auch manch­mal ver­selbst­stän­digt, kann ich begin­nen, mei­ne Ver­hal­tens­wei­sen zu ver­ste­hen, zu ver­än­dern, zu regu­lie­ren. Hier­bei muss sich nie­mand ver­ur­tei­len oder ver­teu­feln. Es geht dar­um, dies alles in einer acht­sa­men, inne­ren Hal­tung zu akzep­tie­ren und anzu­neh­men, um dar­aus kon­struk­ti­ve und sou­ve­rä­ne Ver­hal­tens­wei­sen abzu­lei­ten.

Und wenn ich weiß, wie es in mir aus­sieht und wirkt, kann ich auch Ver­ständ­nis und Tole­ranz dafür ent­wi­ckeln, dass es sol­che Innen­kriegs­schau­plät­ze bei jedem Ein­zel­nen von uns gibt. Jeder „tickt“ anders, aber nach dem Mot­to „Ich bin okay, Du bist okay!“ kann es gelin­gen, mehr Ver­ständ­nis für sich selbst und ande­re auf­zu­bau­en und damit einen wert­schät­zen­den Umgang mit sich selbst und ande­ren zu pfle­gen. Ein agi­les, gelas­se­nes und sou­ve­rä­nes Ver­hal­ten dank guter Selbst­füh­rung wirkt sich damit unge­mein posi­tiv auf die Zusam­men­ar­beit, in den Teams und auf das gan­ze Betriebs­kli­ma aus.

Wor­auf war­ten Sie noch?  Machen Sie sich mit Ehr­lich­keit und Acht­sam­keit auf den Weg. Haben Sie den Mut, sich selbst bes­ser ken­nen und füh­ren zu ler­nen!



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